Zeitblatt – Eva Kaiser in Hamburg

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Die Ausstellung der österreichischen Malerin Eva Kaiser fand am Sonntag, den 23.02.2020 in der Hamburger PASHMIN ART GALLERY statt.

Der Anhänger der aus Salzburg, nebst ihrem Partner, angereisten Künstlerin, stand vor dem Galerieeingang. Photos von gemalten Bildern zu sehen, ob in Katalogen oder im Internet ist das eine. Doch die Werke wohlsortiert gehängt im Original zu sehen ist eine Offenbarung, zumal die Künstlerin anwesend war. So eröffneten Herr Nouri, Chenxin Ge und Eva Kaiser die siebenwöchige Ausstellung. Mit der Künstlerin vereinbarte ich ein freundschaftliches Du.

Eva Kaiser im Interview mit Zeitblatt Autor Bastian Lee Jones

     Ich durfte einen Vorartikel über die Ausstellung und dein Werk und diese Ausstellung „Erlösung der Empathie“ schreiben. (http://zeitblatt.com/die-neue-kunstausstellung-erloesung-der-empathie-von-eva-kaiser/) Kannst Du Dich kurz bitte vorstellen!

Ich bin Eva Kaiser aus Salzburg, Österreich und möchte den abstrakten Expressionismus zeigen. Meine Art zu malen.

      Du „traust“ Dich, spirituell religiöse Themen zu malen. Du hast einige „Christusse“ gemalt.

Es ist zwar immer der gleiche Christus, aber es sind mehrere Arten und Darstellungen.

     Warum ist es ein „Sich-Trauen“?

Christus ist für mich Gott. Diese unantastbare Göttlichkeit möchte man nicht verunstalten. Oder ins Negative ziehen. Oder auch zu viel Menschlichkeit einfliessen lassen. Die Körperliche Darstellung sollte nicht zu sehr in die Materie gehen. Es geht um das übergeordnete Ich, dass er ausstrahlt.

     Das Christentum bricht ja aus dem binären Code aus – gut versus böse, schwarz versus weiss. Es gibt die Trinität. Gott Vater/Mutter, Gott Sohn/Tochter und der heilige Geist. Welche dieser drei Aspekte inspiriert Dich zu bestimmten Zeiten und Gemütslagen besonders?

...ich versuche in meinen Bildern das Komplexe in puristischer Weise darzustellen. Es ist das Leid. Es ist er. Man braucht kein Gesicht zu zeigen. Vollkommen puristisch. Ich zeige expressionistisch das Leid, die Inspiration und die Erlösung.

      Inspiration. Du hattest vorhin von der „Einsamkeit“ im Atelier gesprochen, wo ein Zwiegespräch stattfindet. Für dieses Zwiegespräch muss man doch den Mut haben, nicht die materiellen Fragen zu fragen, sondern nach den anderen Dingen. Welche Dinge sind das für Dich?

Empathie, oder auch ein Fremdwort für viele ist das Wort: Würde. Was ist Würde?

     Die Würde kommt vielleicht durch das Mysterium, durch die Heiligkeit. Man hat ja das Turiner Grabtuch – und dessen Echtheit sei wissenschaftlich bestätigt. Also kann man daraus schliessen, dass eine Auferwecken tatsächlich stattgefunden haben kann.Da wären wir auf der Ebene des Beweises.

... das ist sehr schwierig. Ich möchte mich davon distanzieren. Denn es ist eine Glaubenssache. Das Geheimnisvolle ist für mich inspirierender als das Wissen. Ob ein Grabtuch echt oder gefälscht ist. Wir wissen es letztendlich nie. Es gibt ja auch Schriften. Und wenn man sich mit der christlichen Kunst auseinandersetzt, muss man sich auch hineinversetzen. Wer an ihn glaubt oder nicht. Das ist jedem das Seine. Tatsache ist, dass es ein absoluter Wahnsinn ist, an jemanden zu glauben und jemanden zu lieben, der sich da kreuzigen lässt. Oder?

     Ja.

Das ist für mich eine Frage die, ...

     Das ist für mich sehr spannend – Du kannst mir widersprechen. Ich sehe in dem was Du malst Spontaneität. Und das ist eine ungeplante Spontaneität. Das wissenschaftliche Beweisen – das ist kalkuliert, logisch durchdacht und gar nicht spontan. Ist es auch das, was Dir unbehaglich ist?

... das ist mir unbehaglich! Da kann meine Kunst nicht existieren. Aber wenn ich mir das Leid denke, die Kreuzigung, wo er sagt: er muss das erfüllen. Das ist es!

 

Ausschnitte aus der Laudatio von Chenxin Ge: Der Begriff Empathie hat verschiedene Existenzformen in dem Entwicklungsablauf der Kunst. In den traditionellen Kirchenbildern findet man ein komplettes System der Farbensymbolik.

Die Funktion der Farbe ist ursprünglich von gegenständlichem Objekt unabhängig und evoziert demnach zutreffende emotionale Assoziation des Zuschauers. Sie benutzen auch die körperliche Präsenz Christi, um die Einfühlung des Betrachters hervorzurufen. Wie der französische Kirchenvater HL. Bernhard von Clairvaux es andeutet: „Da wir fleischliche Wesen sind und aus der Begierlichkeit oder unsere Liebe beim Fleisch beginnen“. Demnach wird in der bildlichen Darstellung die Menschlichkeit Christi gegenüber seiner Göttlichkeit in den Vordergrund gebracht, damit die gefühlsmäßige Annährung des Zuschauers an den Gekreuzigten, seine Wunden und sein Leiden, akzentuiert wird.

In den Bildern mit dem religiösen Thema von Eva Kaiser weichen aber die Bildkomponente wesentlich von der traditionellen Darstellungsweise ab. In dem Gemälde „der Messias“ verwendet die Künstlerin eine Naheinstellung eines Brustbildes, statt den ganzen Körper des leidenden Christi zu zeigen. Sein tief herabhängender Kopf lässt aber seine Gesichtszüge unkenntlich. Im Gegensatz zu der Betonung der physischen Qualen am Körper des Heilandes verschmiert die Künstlerin die Künstlerin mit der rasant gemalten Pinselführung die Stelle der Seitenwunde.

Da die sekundäre Perzeption der Kulturmenschen auf die naturbelassene Selbständigkeit zurückgreifen kann, zeigt Eva Kaiser hier über die christliche Ikonografie hinaus auch ein Abbild der primitiven menschlichen Empfindungen. Sie befreit die internen Gefühlstöne der Farben, indem sie die Farben von ihrem Verhältnis zu gegenständlichem Bildinhalt löst. Statt Blut realistisch zu malen, beschreibt die Künstlerin mit dem Rot das Leiden Christi nicht direkt, sondern drückt in seiner verselbständigten Form die Vehemenz währed der Passion aus. Dieses Rot verschmilzt mit dem Gelb  der himmlischen Majestät und wandelt sich zu einem enthusiastischen Orange.

 

       Dieses Bild ist eines Deiner Favoriten.

Spontan gemacht. Ohne Rücksichtnahme auf Darstellung, Markt, Gefälligkeit. Es ist unförmig. Da kehre ich das innere nach aussen. Eng umschlungen. Jeweils nur mit einem Auge.

       Diese Innerlichkeit wird bei Dir scheinbar durch die nach innen gewendeten Augen, die immer nach unten schauen, dargestellt.

Das ist mir gar nicht bewusst aufgefallen. Das ist pure Spontaneität und Ausdruck. Ich male Seele.

       Wenn Du Seele malst – ist das im Bild Ausdruck Deiner Seele in einem Moment oder in einem Film?

Das soll Maria Magdalena und Jesus sein. Wir haben oben den Kreuzbalken angedeutet. Das ist das Spiel mit den Augen. Eine Szene. Ein Filmausschnitt.

       Aber auch ein Spiel mit Mythen. Maria Magdalena als die Liebhaberin Jesu.

Ja das ist sehr spannend. Das wissen wir nicht. Wir haben keine Beweise.

        Das Erfrischende im Christentum ist u.a. die starke Rolle der Frau – vielleicht die stärkste im Vergleich zu anderen Traditionen. Sie sind nur herausgeschrieben, verheimlicht worden, von den männlichen Schreibern. Es gab viele Jüngerinnen im engsten Kreis Jesu. Der erste europäische Mensch, der getauft worden ist war Lydia! Die Frauen sind nicht weggerannt, sondern blieben bei der Kreuzigung und sie waren am Grab. Bei Dir erkennt, man manchmal, wie bei diesem Bild nicht, ob es ein männlicher oder weiblicher Körper ist!

Ja. Der Stellenwert der Frau in jeder Religion ist schlecht. Aber das ist das Patriarchat. Dieser Kampf, diese Konkurrenz. Gehen wir weiter zurück, war das Matriarchat, wo alles ausgeglichen war.

        Wir stehen vor einem sehr großformatigen Bild. Wenn Du im Atelier vor einer weißen Leinwand bist. Wie fühlt sich das an? Siehst Du das Resultat schon vorher?

Ja.

        Das ist dann diese Innerlichkeit, diese Beseeltheit, die Du vorhin meintest?

Ja. Und ich hoffe, dass diese Innerlichkeit immer wieder in diesem Akt des Malens aus mir herauskommt. Dieser pure Akt. Und ich hoffe, dass sich dieser ganze Öffentlichkeitsrummel nicht negativ auswirkt auf meine Kunst.

        Du hast ja bei Hermann Nitsch gelernt. Der steht ja für den „Wiener Aktionismus“. Hat er Dich zu dem spontanen Herauslassen inspiriert?

Ja. Er ist ein grossartiger Künstler, der alle Art von Malerei beherrscht. Ein exzellenter Pianist. Als Professor ist er ein Lehrer der dir sehr gut übermitteln kann. Genau zu wissen, die Intuition, wann das Kunstwerk fertig ist, wann es sich um den letzten Strich handelt. Grossartig.

       Jetzt sind wir hier vor einer meiner persönlichen Favoriten. Da haben wir diesen intimen nach innen und unten gerichteten Blick

(lächelt) ... ja das stimmt. Der Blick nach unten. Aber hier ist es ganz gut gelungen. (Eva blickt zustimmend nickend auf das Bild)

       ... vielleicht eine blöde Frage. Wie lange hat der Schaffensprozess gedauert – von der Idee und der Intuition bis zum letzten Pinselstrich?

... das kann ich nicht sagen. Ich bin nass in nass Maler. Im Atelier stehe ich drei, vier, fünf oder zehn Stunden.

... im Vorgespräch hatten wir uns über das Sich-Trauen-Verrückt-Zu-Sein gesprochen. Da kann ich es natürlich nachvollziehen, dass Du nicht mit der Stoppuhr da stehst. Ich stell mir mit vor, ich bin in einer Art Flow. In einem Zustand, wo ich nicht mal ich selbst bin, sondern ausserhalb von Raum und Zeit und Geist.....

... so ungefähr, ja. So sollte es sein.

        Ist das ein Zustand, den Du absichtlich herbeiführen kannst?

... ja. Gott sei dank.

       Welche Rituale hast Du, um in Schwingung zu kommen?

Naja, ich steh auf und geh mit meinem Hund spazieren und dann geh ich ins Atelier ... Male, dann setz ich mich nieder, mach eine Pause, setze mich vor eine leere Leinwand und sehe einen Akt oder .... oft habe ich ein Buch gelesen, und da ist etwas in der Erinnerung. Eine Szene. Eine Affäre. Irgendwas. Und  dann lasse ich mich darauf ein.

        Bei mir als Songwriter gibt es auch unterschiedliche Ansatzpunkte. Entweder ich habe eine Textidee, oder ein pianistisch musikalisches Motiv, oder ich habe eine Farbe, oder ich sehe eine Filmszene, rieche, und ich fühle mich von der Muse geküsst, und ich muss es irgendwie am Pianoforte notieren oder spielen und gehe in die Umsetzung... .

Genau! So geht es mir auch. Und interessanterweise: Das Riechen hat wie Musik das Hören, eine besondere Bedeutung. Riechen ist unterbewertet. Aber Riechen inspiriert. Es ist ganz stark. Finde ich auch.

        Ich durfte Deinen Vorartikel schreiben. Und ich schrieb: man riecht Deine Bilder. Hier rieche ich Flieder, Lavendel ...

Interessant. Hier sind es harte kalte Farben vor einem harten Gesicht ... Flieder und Lavendel sind ja eher warme Farben.

...eben durch diese starken Komplementärkontraste – zieht es sich in der Wahrnehmung weich und pastellartig zusammen ... und es ist natürlich meine erotische Fantasie ... die, ...

Das Gespräch hätte noch weitergehen können.

Ausstellung „Erlösung der Empathie“

Künstlerin: Eva Kaiser (Österreich)

Wann: 23.02. – 14.04.2020

Vernissage: Sonntag, den 23.02.2020, um 15.00 Uhr

Wo: Pashmin Art Gallery

Gotenstraße 21

20097 Hamburg

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